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KI · Aktenkontext · fachliche Kontrolle

KI-Kanzleisoftware sicher und sinnvoll bewerten

Nicht die längste Funktionsliste entscheidet. Relevant ist, ob Kontext, Datenwege, Grenzen und fachliche Freigaben für jede KI-Unterstützung nachvollziehbar bleiben.

Aktualisiert: 29. Juli 2026Lesedauer: etwa 8 MinutenHerausgeber: SILCROW Redaktion

KI kann bei Recherche, Dokumentenanalyse, Strukturierung, Übersetzung oder Entwürfen unterstützen. In einer Kanzlei reicht eine überzeugende Antwort aber nicht aus. Die entscheidenden Fragen lauten: Welche Daten wurden verwendet? Welche Quelle trägt die Aussage? Wer prüft das Ergebnis? Und wie wird verhindert, dass ein Vorschlag unbemerkt zur Entscheidung wird?

Geeignete Einsatzfelder klar abgrenzen

Beginnen Sie mit Aufgaben, bei denen Nutzen und Kontrolle zusammenpassen. Dazu können das Strukturieren langer Dokumente, das Auffinden aktenbezogener Informationen, der Entwurf eines Gliederungsvorschlags oder das Markieren möglicher Friststellen gehören. Je stärker ein Ergebnis rechtliche Bewertung, Haftung oder Außenwirkung berührt, desto wichtiger sind fachliche Prüfung und dokumentierte Freigabe.

Die Bundesrechtsanwaltskammer weist in ihrem Leitfaden zum KI-Einsatz unter anderem auf Prüf- und Kontrollpflichten, Verschwiegenheit und Transparenz hin. Der Leitfaden bietet Orientierung, ersetzt aber nicht die eigenverantwortliche Beurteilung des konkreten Einsatzes.

Sieben Prüfkriterien für KI-Funktionen

  1. Definierter Aktenkontext: Es muss erkennbar sein, auf welche Akte und welche Dokumente sich eine Antwort bezieht.
  2. Datensparsamkeit: Nur die für die konkrete Aufgabe erforderlichen Inhalte sollten verarbeitet werden.
  3. Transparente Datenwege: Anbieter, Verarbeitungsorte, Aufbewahrung und mögliche Modellnutzung müssen geklärt sein.
  4. Quellenbezug: Tatsachen und Fundstellen sollten überprüfbar sein; scheinbar präzise Antworten sind kein Beleg.
  5. Fachliche Freigabe: Entwürfe und Frist-Hinweise bleiben als Vorschläge gekennzeichnet, bis eine zuständige Person entscheidet.
  6. Berechtigungen und Protokoll: Zugriff, Nutzung und relevante Änderungen müssen zur Rollen- und Aktenstruktur der Kanzlei passen.
  7. Fehler- und Ausfallverhalten: Der normale Kanzleibetrieb darf nicht davon abhängen, dass ein KI-Dienst jederzeit verfügbar ist.

So testen Sie eine KI-Demo

Eine gute Demo besteht nicht aus einer vorbereiteten Idealfrage. Bringen Sie drei bewusst unterschiedliche, vollständig anonymisierte oder synthetische Szenarien mit:

  • Ein Dokument enthält mehrere mögliche, aber nicht eindeutige Friststellen.
  • Zwei Akten ähneln sich, dürfen aber nicht vermischt werden.
  • Eine Quelle fehlt oder widerspricht einer Aussage im Dokument.
  • Die gewünschte Antwort liegt außerhalb der verfügbaren Akteninformationen.
  • Eine Person ohne Aktenzugriff versucht, denselben Inhalt abzufragen.

Bewerten Sie nicht nur die Antwortqualität. Beobachten Sie, ob das System Unsicherheit sichtbar macht, fehlende Grundlage benennt und den Nutzer zur Prüfung führt.

Die wichtigste KI-Funktion in einer Kanzlei ist nicht „automatisch fertig“, sondern „prüfbar vorbereitet“.

Organisation gehört zur Technik

Vor dem produktiven Einsatz sollte die Kanzlei festlegen, welche Aufgaben unterstützt werden dürfen, welche Datenkategorien ausgeschlossen sind, wer Ergebnisse freigibt und wie Fehler gemeldet werden. Dazu gehören Schulungen, dokumentierte Zuständigkeiten und regelmäßige Überprüfung der tatsächlichen Nutzung.

Eine sinnvolle Einführung startet begrenzt: wenige Anwendungsfälle, fiktive oder geeignete Testdaten, klare Erfolgskriterien und kontrollierte Ausweitung. So lassen sich Qualität und Prozesswirkung beurteilen, bevor Gewohnheiten entstehen.

SILVIA: Unterstützung im Aktenkontext

SILVIA unterstützt in SILCROW bei aktenbezogener Recherche, Strukturierung, Entwürfen und möglichen Frist-Hinweisen. Schutzschichten reduzieren unnötige Personenbezüge in Anfragen. Ergebnisse bleiben Vorschläge; die Kanzlei prüft und gibt sie frei. Ändert sich die Akte, wird der zugehörige Kontext aktualisiert.

Keine echten Mandatsdaten in der öffentlichen Demo

Die SILCROW Produkttour arbeitet ausschließlich mit fiktiven Demo-Daten. In einer isolierten 10-Tage-Sandbox können Prüfszenarien ohne Außenversand vorbereitet werden.

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